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20 Jahre Austausch

Austausch mit dem Széchenyi-István Gimnázium in Szolnok (Ungarn)

Es ist auf den ersten Blick nicht unbedingt naheliegend, dass eine Schule tief im Westen Deutschlands seit 20 Jahren einen intensiven Austausch mit einer Schule im östlichen Ungarn pflegt.

Doch sind die Verbindungen zwischen dem Rheinland und Ungarn älter und tief greifender, als manchem bewusst sind. Der Niederrhein gehört zum Kernland des alten Frankenreiches. Schutzpatron der Franken ist ein Mann, der aus dem heutigen Ungarn stammt – der Heilige Martin von Tours, dessen Verehrung bis heute tief im Brauchtum der Region verankert ist. Jedes Jahr im November gibt es allein auf dem Stadtgebiet von Korschenbroich mindestens fünf Laternenumzüge, die an den barmherzigen Ritter erinnern, der seinen Mantel mit einem Bettler teilte und zu dessen Gedächtnis alljährlich Tonnen von Süßigkeiten und Gebäck vertilgt werden.

Eine andere historisch gewachsene Beziehung zwischen dem Rheinland und Ungarn rührt aus dem Hochmittelalter, als alle sieben Jahre Tausende von Ungarn sich auf den Weg machten und von ihrer Heimat aus den Rhein entlang bis Köln und weiter nach Aachen zogen, um als Wallfahrer die dortigen Heiligtümer zu besichtigen. Seit dem 14. Jahrhundert kündet auch die Ungarnkapelle am Aachener Dom von der Präsenz der Magyaren in unserer Gegend.

So war es eigentlich nichts anderes als eine europäische Normalität mit einer langen Tradition, als sich unmittelbar nach der großen Wende in Ostmitteleuropa ein neuer Kontakt zwischen dem Rheinland und der Großen Ungarischen Tiefebene ergab und das Gymnasium Korschenbroich und das Széchenyi Gimnázium Freundschaft schlossen.

Angefangen hat alles mit dem Besuch einer Delegation aus dem Komitat Szolnok im Kreis Neuss, der auch die stellvertretende Schulleiterin, Frau Dr. Nemeth, und zwei Deutschlehrerinnen angehörten, die sich mit der Schulleitung des Korschenbroicher Gymnasiums, Herrn Dr. Barbers und Frau Hölper, zu einem Gedankenaustausch im der Schule benachbarten Restaurant im Schwimmbad trafen.

Man lotete die Möglichkeiten zur Begründung eines Schüleraustausches aus, die konkreter wurden, als Studiendirektor Lothar Höckendorf zu Ostern 1991, also ziemlich genau vor 25 Jahren zu einem Besuch nach Szolnok reiste und den Eindruck gewann, dass die ungarischen Jugendlichen sehr großes Interesse an Kontakten nach Westeuropa hätten.

Noch im selben Jahr fand die erste Begegnung zwischen deutschen und ungarischen Schülern statt. 35 junge Ungarn aus Szolnok reisten in Begleitung von Frau Dr. Nemeth und zwei weiteren Deutschlehrerinnen in Korschenbroich an und verbrachten hier eine gute Woche in den deutschen Gastfamilien, der Gegenbesuch erfolgte im September.

Die beteiligten Städte Korschenbroich und Szolnok haben dem Schüleraustausch von Anfang an besondere Bedeutung zugemessen, was unter anderem dadurch dokumentiert wurde, dass die jeweiligen Gäste immer auch vom Bürgermeister der Gast gebenden Stadt begrüßt wurden, so am 03.06.1991 in Korschenbroich durch das damalige Stadtoberhaupt Mühlen und in Szolnok im September 1991 durch Bürgermeister König.

Mittlerweile sind seit diesem ersten Besuch fast 25 Jahre ins Land gegangen - 25 Jahre, in denen in Europa viel passiert ist. In Ungarn musste die Erblast von 40 Jahren kommunistischer Diktatur beseitigt werden, neue gesellschaftliche und ökonomische Strukturen mussten aufgebaut werden, die durch die neue globale Krise erneut erschüttert wurden und auch wir im einstmals reichen Westen Deutschlands erleben drastische Veränderungen, merken, dass die fetten Jahre vorbei sind. Darüber hinaus ist eine mediale Revolution über uns hinweggefegt, die eine drastische Beschleunigung unseres Alltagslebens mit sich gebracht hat. Wie sich die derzeitige Wanderungsbewegung auf Europa auswirken wird, ist noch ebenso wenig absehbar wie die langfristigen Folgen der Griechenlandkrise, die uns in diesem Sommer so stark beschäftigte.

In all diesen Veränderungen hat sich die Partnerschaft zwischen dem Gymnasium Korschenbroich und dem Széchenyi István Gimnázium erhalten, haben sich immer wieder neue Schülergenerationen für den Austausch begeistern lassen, sind enge persönliche Kontakte und sogar Freundschaften zwischen den Jugendlichen und ihren Familien, aber auch zwischen den beiden Kollegien entstanden. Wir haben dadurch in Szolnok und in Korschenbroich ein Stück europäische Normalität begründet und haben damit auf kleiner Ebene gezeigt, dass Europa trotz aller Krisen und Konflikten lebt und funktioniert.

Die Partnerschaft zwischen unseren beiden Schulen hat übrigens ein eigenes Gesicht. Es ist das von unserer Kollegin Erika Turi.
Sie war schon beim ersten Mal 1991, als gerade eben erst fertige, ganz junge Deutschlehrerin dabei und hat seitdem fast jede Schülergruppe aus Szolnok hierher begleitet. Dass mittlerweile ein Vierteljahrhundert ins Land gegangen ist, sieht man ihr nicht an, strahlt sie heute doch immer noch die gleiche Frische und Jugend wie vor 25 Jahren aus.

Kann es ein besseres Zeichen für die Vitalität der Freundschaft zwischen unseren beiden Schulen geben?

20.10.2015

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